Reinhold Thalhofer

Diese Botschaft gliedern wir in folgende Themen:

  1. Einleitung
  2. Darf man Jesus danken?
  3. Darf man Jesus bitten?
  4. Den Herrn anrufen.
  5. Der Unterschied zwischen danken, bitten und beten.
  6. Das Gesamtzeugnis der Heiligen Schrift.
  7. Schlussgedanke.

1. Einleitung:  

Bisher haben wir gesehen, dass die Heilige Schrift den Vater als den einen wahren Gott offenbart und den Herrn Jesus Christus als den Sohn Gottes, den Mittler, den Erstgeborenen unter vielen Brüdern und das Haupt des Christus.

Nun kommen wir zu einer ganz praktischen Frage des Glaubenslebens:

An wen richten sich Dank, Bitten und Gebete der Gläubigen?

Viele Christen gehen davon aus, dass man sich gleichermaßen an den Vater und an den Sohn wenden könne.

Aber das Wort Gottes sagt uns eindeutig, dass alle Gebete, Bitten, Danksagungen, Anbetung und jeder Gottesdienst ausschließlich Gott, dem Vater, gebühren und dass wir durch den Sohn zum Vater kommen.

Ja, dass der Sohn der Weg ist zum Vater, aber der Vater ist das Ziel.

Und der Geist Gottes hilft uns, dieses Ziel in Christus zu erreichen.

Deshalb wollen wir heute zwei häufig angeführte Schlüsselverse sorgfältig untersuchen:

  • 1. Timotheus 1,12

und

  • Johannes 14,14

Dabei wollen wir nicht von menschlichen Theologien oder Traditionen ausgehen, sondern die Schrift selbst sprechen lassen.

Darf man Jesus danken?

Zunächst lesen wir:
1. Timotheus 1,12 „Und darum danke ich dem, der mir Kraft verliehen hat, Christus Jesus, unserem Herrn, dass er mich treu erachtet und in den Dienst eingesetzt hat.“

Auf den ersten Blick scheint die Sache eindeutig zu sein. Der Apostel Paulus sagt, dass er Christus Jesus dankt.

Deshalb wird diese Stelle häufig als Beleg dafür angeführt, dass Christen ihren Dank und auch ihre Gebete grundsätzlich an den Herrn Jesus richten können.

Doch schauen wir etwas genauer hin …

Die Trinität aus biblischer Sicht. Die Schlüsselverse im Urtext. Kapitel B-2

Im griechischen Urtext steht hier die Wendung:

  • χάριν ἔχω (charin echō)

Wörtlich bedeutet dies:

  • Dank haben“ oder „dankbar sein“.

Die einzelnen Wörter bedeuten:

  • χάρις (charis) = Gnade, Gunst, Dank, Dankbarkeit
  • ἔχω (echō) = haben

Man könnte die Wendung daher sehr wörtlich wiedergeben als:

  • Ich habe Dank gegenüber Christus Jesus.“

Oder:

  • Ich bin Christus Jesus dankbar.“

Die übliche Übersetzung „ich danke“ gibt den Sinn dieser griechischen Redewendung wieder und ist daher grundsätzlich nicht falsch.

Dasselbe kann man auch gegenüber anderen Menschen äußern, denen man begegnet oder die einem in einer besonderen Situation vor Augen stehen.
Man kann ihnen dankbar sein, unabhängig davon, ob sie sich auf der Erde befinden oder bereits diese Erde verlassen haben.

Das hat mit Gebet zu diesen Menschen überhaupt nichts zu tun.

Wichtig ist jedoch eine andere Beobachtung:

Der Apostel Paulus verwendet hier nicht das übliche Wort für Gebet.

Das schriftgemäße Wort für Beten lautet:

  • προσεύχομαι (proseuchomai)

Dieses Wort kommt in 1. Timotheus 1,12 überhaupt nicht vor. Der Apostel Paulus sagt also nicht: „Ich bete zu Christus Jesus und danke ihm.“

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